Jungpferdeausbildung – Tipps und Tricks

Mit diesem Beitrag möchten wir Pferdebesitzern, die ein junges und unerfahrenes Pferd haben, ein Paar Tipps für den Start geben. Da jeder seine eigene Herangehensweise und eventuell andere Methoden hat, ein junges Pferd auszubilden, beruhen diese auf Erfahrungswerten und Recherche und können dementsprechend von anderen Methoden abweichen.

Jungpferdeausbildung – Voraussetzungen

Im Vorhinein solltest du dir sicher sein was, du am Ende erreicht haben möchtest. Ein eingerittenes Pferd, das willig, zufrieden, ausgeglichen und feinfühlig ist, erfordert einige Anforderungen an den Ausbilder. Das Anreiten eines jungen Pferdes erfordert nicht nur Geduld und Einfühlsamkeit, sondern auch Erfahrung und Kenntnisse über die Entwicklung von Muskeln und Knochen. Bei jedem Lebewesen kann es Einbußen als Resultat aus körperlichen oder psychischen Problemen geben. Aus diesem Grunde sollte der Gesundheitszustand des Pferdes vorher gründlich abgecheckt werden. Hierfür sollte der Hufschmied und Tierarzt herangezogen werden. Denn ein Pferd, das nicht gesund oder körperlich schwach ist, wird den Anforderungen nicht gewachsen sein. Des Weiteren ist besonders zu beachten, dass die Pferde mit der ihnen bevorstehenden körperlichen Leistungsbereitschaft, Muskeln und Gelenke beanspruchen, die vorher noch nicht gebraucht wurden. Demnach sollte während des Anreitens auf die Fütterung geachtet werden. Ein erhöhter Bedarf an Magnesium, Vitamin E und Selen kann beispielsweise durch die Zufütterung von Ergänzungsfuttermittel gedeckt werden.

Jungpferdeausbildung – Die ersten Schritte

Sofern dein Liebling noch "roh" ist und nur dürftigen Kontakt zum Menschen gehabt hat, sollte es also zuerst einen „Benimmkurs“ machen. Hier lernt das Pferd grundlegende Dinge wie zum Beispiel sich das Halfer/die Trense anziehen zu lassen, Anbinden, Führen, Putzen und Hufe geben. Daneben ist es wichtig, das Pferd beim Freilaufen in der Halle oder einem hoch eingezäunten Reitplatz, an die Peitsche und Stimme zu gewöhnen. Zusätzliches Freispringen fördert die Geschicklichkeit und macht den meisten Pferden Spaß. Achte bei der Arbeit mit einem jungen Tier immer darauf, dass eine andere Person dabei ist, die dir hilft.

Wichtig: Auch bei jungen Pferden sollte die Aufwärmphase in Form von Schrittführen berücksichtigt werden.

Anlongieren - Die erste Arbeit an der Longe

Je nachdem wie das Pferd sich anstellt und sich positiv entwickelt, kann der zweite Schritt langsam eingeleitet werden. Für die ersten Male genügen ein Halfter und eine Longe. Um Verletzungen an den Beinen zu vermeiden, kannst du zusätzlich Gamaschen anlegen, an die das Pferd sich im Vorhinein schon gewöhnt hat. Um euch beiden die Arbeit zu erleichtern, sollte die Longenarbeit in einem abgesperrten Zirkel stattfinden. Achte hierbei immer darauf achten, eher hinter dem Pferd zu sein, damit du es jederzeit nach vorne treiben kannst, falls es zum Beispiel mal umdrehen möchte.

Gewöhnung an die Ausrüstung - Sattel und Trense

Im Idealfall hat sich dein Pferd bereits durch mehrmaliges Anlegen der Trense daran gewöhnt. Beim Sattel können öfter Schwierigkeiten auftreten. Hier solltest du darauf achten, die Bügel und Bügelriemen entweder zu entfernen oder festzuschnallen. Um das Klatschen der Sattelblätter in den ersten Stunden zu vermeiden, kann durch einen elastischen Deckengurt Abhilfe geschaffen werden. Dieser kann, wenn das Pferd sich problemlos longieren lässt, weggelassen werden.

Wenn diese Vorkehrungen getroffen worden sind, kann es losgehen. Das Satteln sollte grundsätzlich in der Stallgasse stattfinden. Um die Longe nicht direkt am Gebissring verschnallen zu müssen, kann über die Trense ein gut sitzendes Stallhalfter gezogen werden, an dem die Longe festgemacht wird. Auf Ausbinder sollte in der Gewöhnungsphase generell verzichtet werden.

Tipp: Genügend Bewegung lässt das Pferd in sich ruhiger werden. Dazu gehört täglicher Weidegang und zusätzliches Training beim Freilaufen in der Halle. Durch zusätzliche Bodenarbeit wird die Geschicklichkeit gefördert und junge Pferde lernen Vertrauen zum Menschen aufzubauen. Außerdem sollten während der Eingewöhnungsphase keine größeren Pausen entstehen. Diese können das Pferd nur zurückwerfen und du musst eventuell viele Dinge von neu trainieren.

Anreiten - Das erste Mal aufsteigen und losreiten

Beim ersten Aufsteigen ist Vorsicht geboten. Auch hier solltest du immer einen Helfer dabei haben, der das Pferd schon kennt. Eine vertrauensvolle Person sollte es währenddessen aufmerksam festhalten und auf Augen- und Ohrenspiel achten. Die ersten Versuche sollten nur durch die Belastung eines Steigbügels erfolgen. Macht das Pferd gut mit, kann versucht werden, sich mit dem Oberkörper über den Sattel zu legen. Ist auch dies ohne Probleme möglich, kann versucht werden, sich langsam und ruhig in den Sattel zu setzen. Eine Runde Führen, Loben, vorsichtig absteigen und Feierabend. Nach weiteren Übungen kann nach spätestens einer Woche, an der Hand angetrabt werden. Gelingt auch dies, sollte mit der Arbeit an der Longe begonnen werden.

Selbstständig Reiten – Die ersten Schritte

Nach und nach sollten die Kommandos des Longenführers weniger werden, so dass sich der Reiter ganz auf die Hilfengebung konzentrieren kann. Klappt das selbstständige Antraben und durchparieren ohne Hilfe auf beiden Händen, kann es auch ohne Longe probiert werden. Hier sollte der ehemalige Longenführer dann zur Hilfe weiter in der Mitte stehen um den Reiter bei Schwierigkeiten unterstützen zu können. Ab diesem Zeitpunkt, kann das Pferd dann auch bei der Longenarbeit vorsichtig ausgebunden werden.

Tipp: Um Unfälle und schlechte Erfahrungen beim Reiten des jungen Pferdes zu vermeiden, empfiehlt es sich die Trensenzügel durch den Halteriemen am Sattel zu ziehen. So kann es, wenn es den Reiter mal „losgeworden“ ist, nicht in die dann umherschleudernden Zügel treten.

Die Ausbildung eines jungen Pferdes ist prägend für die gesamte Entwicklung des Pferdes. Die Jungpferdeausbildung erfordert viel Arbeit und Zeit, Einfühlsamkeit und Geduld. Der Zeitpunkt sollte immer abhängig von der Entwicklung und dem Gesundheitszustand des Pferdes bemessen werden und nicht vom jeweiligen Alter.

Abschließend möchten wir noch einmal erwähnen, dass es sich bei diesem Beitrag ausschließlich um Tipps handelt, die auf persönlichen Erfahrungen basieren.

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