Dressurreiter, Springreiter und ihre Eigenheiten

Reiter sind ja schon manchmal eine Sache für sich, aber wer denkt, dass alle Reiter gleich seien, der hat sich noch nie über die Unterschiede zwischen Dressur-und Springreitern Gedanken gemacht. Und Dressur- und Springreiter selber ziehen da wohl eine ganz klare Grenze. Die gravierendsten Verschiedenheiten bzw. Eigenheiten haben wir hier für euch mal zusammengefasst ;-)

Es geht schon bei den Klamotten und Outfits los. Einen Dressurreiter trifft man wohl eher selten ohne perfektes Outfit. Poloshirt, passende Reithose mit Glitzergürtel abgestimmt auf die Sporenriemen an den geputzten Stiefeln, so ungefähr erkennt man eine Dressurreiterin. Ein Springreiter macht sich wohl weniger Gedanken zu seinem Stalloutfit und greift zu alten T-Shirts, der am wenigsten dreckigen Reithose und ob Chaps und Stiefeletten nun sauber sind oder nicht, ist auch nicht so wichtig.

Das gleiche gilt auch für das Outfit des Pferdes. Ein Dressurpferd trägt immer passende Schabracke und Bandagen, am besten noch die perfekte Abschwitzdecke dazu. Natürlich sind auch immer alle vier Pferdebeine akkurat einbandagiert und da jeden Tag die Outfits wechseln, quillt der Sattelschrank nur so über mit Bandagen in den Farben indigo bis chocochip. Im Übrigen ist braun nicht gleich braun und blau nicht gleich blau, da ist der Dressurreiter sehr bestimmt.  Das Springpferd gibt sich auch mit einem weniger gut abgestimmten Outfit zufrieden. Da wird einfach die ewig gleiche Schabracke zu irgendwelchen Gamaschen kombiniert. Bandagen kennt der Springreiter nicht, wäre auch viel zu aufwendig. Und ob das Braun der Schabracke nun zum Braun der Gamaschen passt oder ob sich die Farben gleich komplett beißen, ist auch egal.

Doch noch bevor Schabracke oder Satteldecke das Pferd berühren wird das Pferd mehr oder weniger ausgiebig geputzt, auch das ist von Dressur – zu Springreiter verschieden. Während der Dressurreiter das Pferd putzt und striegelt bis  es blitzt und blinkt, jede Menge Glanzspray und Feuchtigkeitstücher verbraucht und am liebsten noch täglich Mähne und Schweif auf die perfekte Länge stutzt, geht das ganze Prozedere beim Springreiter wesentlich zügiger. Da wird flott übers Fell geputzt, der gröbste Dreck entfernt und an einem guten Tag auch Mähen und Schweif von Stroh befreit. Schnell die Hufe ausgekratzt und los geht’s.

Auch die Pflege der Ausrüstung verhält sich da ähnlich. Dressursattel und Kandare hängen stets blank geputzt im Spind, der kleinste Matschfleck wird direkt entfernt und das Strass Stirnband mit extra Reiniger zum Glitzern gebracht. Der Sattel ist mit Sattelschoner und Steigbügeltaschen vor jedem Kratzer geschützt und die Bandagen werden nach Gebrauch akkurat aufgerollt oder lieber gleich wieder gewaschen. Springsattel und Trense werden da etwas weniger liebevoll umsorgt. Egal durch welche Matsche oder welchen Wassergraben auch geritten wurde, das kann man auch morgen wieder sauber machen…oder übermorgen. Gamaschen abbürsten oder waschen? Sowas kennt der Springreiter nicht, weswegen es auch nicht verwunderlich ist, dass sich in seinem Spind vermutlich mehr Sand als alles andere befindet. Einen Sattelschoner gab es bestimmt auch mal irgendwann.

Das Training von Dressur –und Springreitern unterscheidet sich ebenfalls grundlegend. Während der Dressurreiter täglich die gleiche Aufgabe und die gleichen Lektionen übt, um am Wochenende auf dem Turnier die Dressuraufgabe auch wirklich fehlerfrei absolvieren zu können, haben Springreiter dieses harte Training nicht nötig. Das Springpferd wird die Woche über locker geritten und vielleicht 2 bis 3 Mal gesprungen, das muss reichen und tut es meistens auch.

Nicht nur das Training vor einem Turnier läuft unterschiedlich ab, auch die sonstige Vorbereitung und das tatsächliche „zum Turnier Fahren“ ist alles andere als gleich. Die Dressurreiter stehen in der Regel schon 3 Stunden vor Abfahrt zum Turnier im Stall um das Pferd noch glänzender zu striegeln als an den anderen Tagen, im Zweifel wird es noch gewaschen und einschamponiert und bekommt aufwendige Zöpfchen mit und ohne Glitzer oder Perlen in die Mähen geflochten. Dann werden noch wunderschöne weiße Bandagen auf alle vier Beine gemacht, die in der Prüfung dann eh keiner mehr braucht und das Sattelzeug so gut geputzt, dass es glatt für neu durchgehen würde. Es wir nichts dem Zufall überlassen! Der Pferdepass wird noch schnell in das dafür vorgesehene Bling-Bling-Täschchen gesteckt und schon kann es in Begleitung von 5 anderen Dressurexperten losgehen. Wenn der Dressurreiter schon fast aufgeladen hat, liegt der Springreiter noch im Bett. Schließlich reicht es auch, eine halbe Stunde vor Abfahrt im Stall einzutrudeln, das Sattelzeug direkt ins Auto zu werfen, wenn es nicht gerade allzu dreckig ist, und das Pferd kurz mal überzuputzen. Zur Feier des Tages wird vielleicht noch Glanzspray benutzt und der Schweif gekämmt. Zöpfe flechten kennt den Springreiter nicht, und wenn es doch zu einem Stilspringen geht, kann man auch auf dem Turnier noch schnell ein bisschen einflechten. Und so fährt der Springreiter ganz entspannt ob mit oder ohne Begleitung mehr oder weniger pünktlich Richtung Turniergelände.

Der Unterschied zwischen Dressur-und Springreiter ist wohl kaum deutlicher als in einer vollen Reithalle und auf einem vollen Abreiteplatz. Während der Dressurreiter fast die Krise bekommt und das Gefühl hat, keine Lektion ordentlich reiten zu können , ohne dass ein anderer Reiter den Weg kreuzt, ist der Springreiter äußerst geübt darin, sich durch die vollsten Hallen zu schlängeln und dabei sogar noch ein paar Sprünge zu machen. Begegnen sich Dressur-und Springreiter jedoch zu Hause in der Reithalle, kann es zu einigen genervten Blicken seitens der Dressurreiter kommen. Das chaotische durcheinander Reiten der Springreiter können sie nämlich gar nicht leiden und wenn diese dann bei einer Bodenstange nicht mal „Sprung frei“ rufen ist das Maß aber voll.

Sind die Differenzen aber auch noch so groß, sind sie beide am Ende doch nur Reiter und verstehen sich ab und zu auch mal ganz gut! Und kommt euch das eine oder andere Klischee bekannt vor? Oder habt ihr ganz andere Erfahrungen gemacht?

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